Matriarchatsbegriff

Der Begriff Matriarchat ist in der Umgangssprache gut bekannt, denn seit Bachofen (1861) gibt es eine lebhafte Diskussion dazu. Es ist aber nötig, diesen Begriff auf seine ursprüngliche Bedeutung zurückzuführen und durch die Ergebnisse der Matriarchatsforschung mit neuem Inhalt zu füllen. So entfaltet er seine nach wie vor brisante Bedeutung. Matriarchat bedeutet nicht das Gegenteil von Patriarchat. Es ist keine Gesellschaftsordnung, wo Frauen über Männer herrschen, denn matriarchale Gesellschaften kennen keine Herrschaftsstrukturen wie Befehlsgewalt, soziale Hierarchie, Erzwingungsstäbe oder Privateigentum.

Die Bezeichnung Matriarchat setzt sich aus dem lateinischen mater (Mutter) und dem griechischen arché zusammen. Arché heisst in seiner älteren Bedeutung Anfang, Ursprung. Am Anfang stehen die Mütter, diese Übersetzung von Matriarchat ist zentral. Denn Matriarchate leiten ihre gesellschaftlichen Strukturen von den Müttern ab. Die Mütterlichkeit im Sinne von Fürsorge und Lebenserhaltung bestimmt die ethischen Prinzipien. Die Herkunft von den Müttern/Ahninnen prägt auch die Sozialordnung und den religiösen Bereich.



Zur Matriarchatsdefinition

Quelle:
Heide Göttner-Abendroth: Das Matriarchat. Stuttgart, Kohlhammer 1988 ff.

Büchertips

Caliban und die Hexe

Silvia Federici: Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum, 2012. 315 Seiten.

Caliban und die Hexe ist eine Geschichte des weiblichen wie auch des kolonialisierten Körpers während des Übergangs zum Kapitalismus. Ausgehend von den Bauernaufständen des späten Mittelalters und dem Aufstieg der mechanischen Philosophie untersucht Federici die kapitalistische Rationalisierung der gesellschaftlichen Reproduktion.

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Berggöttinnen der Alpen

Heide Göttner-Abendroth: Berggöttinnen der Alpen.
Matriarchale Landschaftsmythologie in vier Alpenländern.

Bozen, Edition Raetia 2016. 413 Seiten.

Die Autorin zeigt eine unbekannte Seite der Alpen und fasst ihre landschaftsmythologischen Forschungen in der Schweiz, in Deutschland, Südtirol und Österreich zusammen. Dabei betreibt sie Feldforschung und verknüpft das Wissen von Mythologie, Volkskunde, Sprachforschung und Geografie mit den archäologischen Funden aus den frühen Alpenkulturen. So gelingt es ihr, die alten Geschichten und Sagen zu erkennen, die in die Landschaft eingeschrieben sind.

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Ave Dea - 13 Göttinnen

Ulrike Pittner / Ursa Krattiger:
Ave Dea – 13 Göttinnen der griechisch-römischen Mythologie neu begegnen.

Rüsselsheim: Christel Göttert Verlag, 2015. 355 Seiten.

Ob Gaia, Hekate, Artemis oder Medusa – AVE DEA eröffnet eine neue Sichtweise auf scheinbar Bekanntes. Es lässt 13 Göttinnen der Antike zu Wort kommen, legt ihre Wurzeln frei bis in eine Kulturepoche, die älter ist als das Patriarchat, und spinnt Fäden bis in unsere Gegenwart. Barg die Büchse der Pandora wirklich alles Übel der Welt? War Hera wirklich nur die eifersüchtige Ehegattin? War Athene wirklich eine Kopfgeburt und Vatertochter?

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Rezension von Christa Mulack:
auf Fembio

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