Matriarchale Gesellschaften

Matriarchate gab es weltweit. Sie entstanden vermutlich in Ostasien und breiteten sich über die Wasserwege als Hack- und Ackerbaukultur aus. Eine mütterbezogene Gesellschaftsstruktuktur ist schon in der Altsteinzeit festzustellen. Eine differenzierte Ausgestaltung entwickelte sich dann in der Jungsteinzeit, fussend auf der Ackerbaukultur. In ihrer mehrtausendjährigen Geschichte gab es Früh-, Mittel- und Spätformen (Amazonen), dies ab 7000 bis in die Bronzezeit um 1400 v.u.Z.

Die Ablösung des Matriarchats durchs Patriarchat dauerte Jahrhunderte. Die Umbruchphase wurde eingeleitet durch den Einfall der Indoeuropäer im vorderen Orient und im Mittelmeergebiet, ab der Eisenzeit. Die Ursachen werden noch erforscht, es gibt verschiedene Theorien, warum es zur Bildung von Herrschaftsstrukturen kam. Matriarchale Elemente leben weiter in der Folklore, besonders in Rand- und Rückzugsgebieten.

Noch heute gibt es matriarchal organisierte Völker. Am bekanntesten sind die Mosuo in China, die Minangkabau in Indonesien und die Khasi in Indien. Ihre Existenz ist aber in vieler Hinsicht bedroht.

Aus Süd- und Mittelamerika sind die Juchiteken (Mexiko), die Kagaba in Kolumbien und die Cuna in Panama zu nennen, ebenso die indigenen Völker Brasiliens und Amazoniens.

Aus Nordamerika gibt es eine wachsende Forschungsliteratur zu den indigenen Populationen. Sie reicht von den Irokesen (Haudenosaunee) über die Natchez, Omaha, Apachen und Huron bis zu den Puebloindianern. Am bekanntesten sind die Hopi.

In Europa dagegen beschränken sich die Schriften auf wenige Völker wie Basken, Bretonen, Balten oder auf Sibirien. Zu gründlich wurde Matriarchales ausgerottet oder vereinnahmt. Allerdings gibt es eine reiche Literatur zur europäischen Volkskunde, die bis heute lebendige matriarchale Reste tradiert.

In Asien konnten sich in Rückzugsgebieten einige Völker halten, so die „Randvölker“ Südwest- und Westchinas wie die bereits erwähnten Mosuo. Dieses fast klassische Matriarchat ist durch zahlreiche Publikationen gut erschlossen. In Indien sind es die Khasi der Assamberge, ebenso die Jaintia und Garo, die Adivasi, die Zigeuner und die Nayar von Malabar, die aber nur noch einzelne matriarchale Elemente aufweisen. Aus Nepal, Tibet, Indonesien mit den Minangkabau, aus Malaysia sowie Japan, Korea und Taiwan liegen ebenfalls Forschungsberichte vor.

Aus der Südsee sind die Trobriandinseln zu nennen sowie Polynesien, Hawaii, Palau, Melanesien und die australischen Aborigines.

Auch Afrika weist mit den Luapula in Sambia, den Ashanti und den Akan in Ghana, den Ila in Simbabwe, den Yoruba und den Bidjogo in Westafrika zahlreiche matriarchale Völker oder Relikte auf. Im Norden sind der Sudan, die Tuareg und die Kabylei zu nennen.

Diese Aufzählung ist längst nicht vollständig. Entdecken Sie weitere interessante Beispiele durch Blättern im Onlinekatalog des MatriArchivs.


Quelle:
Heide Göttner-Abendroth: Das Matriarchat II, Teil 1+2, Stuttgart, Kohlhammer 1991, 2000.

Büchertips

Das Versagen der Kleinfamilie

Mariam Irene Tazi-Preve: Das Versagen der Kleinfamilie.

Kapitalismus, Liebe und der Staat.

Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich, 2017. 228 Seiten.

Bei der Kleinfamilie ist nicht Normalität am Werk, sondern eine willkürliche Norm. Viele Mütter sind einem Mutterideal verpflichtet, dem sie nie entsprechen können. Viele Männer würden gerne Elternzeit nehmen, die Arbeitswelt lässt es nicht zu. Arbeitswelt und Familie sind nicht kompatibel. Aber es gibt Wege aus der Mutterfalle und der Vereinbarkeitslüge. Die Autorin zeigt Alternativen auf, die andere Gesellschaften uns bereits vorleben.

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Berggöttinnen der Alpen

Heide Göttner-Abendroth: Berggöttinnen der Alpen.
Matriarchale Landschaftsmythologie in vier Alpenländern.

Bozen, Edition Raetia 2016. 413 Seiten.

Die Autorin zeigt eine unbekannte Seite der Alpen und fasst ihre landschaftsmythologischen Forschungen in der Schweiz, in Deutschland, Südtirol und Österreich zusammen. Dabei betreibt sie Feldforschung und verknüpft das Wissen von Mythologie, Volkskunde, Sprachforschung und Geografie mit den archäologischen Funden aus den frühen Alpenkulturen. So gelingt es ihr, die alten Geschichten und Sagen zu erkennen, die in die Landschaft eingeschrieben sind.

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Ave Dea - 13 Göttinnen

Ulrike Pittner / Ursa Krattiger:
Ave Dea – 13 Göttinnen der griechisch-römischen Mythologie neu begegnen.

Rüsselsheim: Christel Göttert Verlag, 2015. 355 Seiten.

Ob Gaia, Hekate, Artemis oder Medusa – AVE DEA eröffnet eine neue Sichtweise auf scheinbar Bekanntes. Es lässt 13 Göttinnen der Antike zu Wort kommen, legt ihre Wurzeln frei bis in eine Kulturepoche, die älter ist als das Patriarchat, und spinnt Fäden bis in unsere Gegenwart. Barg die Büchse der Pandora wirklich alles Übel der Welt? War Hera wirklich nur die eifersüchtige Ehegattin? War Athene wirklich eine Kopfgeburt und Vatertochter?

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Rezension von Christa Mulack:
auf Fembio

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